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Verzeihen von Missbrauch ?

Seit Wochen werden Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der katholischen Kirche bekannt, was zu einem drastischen Ansteigen der Kirchenaustritte führt. Nun sind Vertreter der Kirche nicht die einzigen Missbrauchstäter, es ist erwiesen, dass Täter sich auch unter Eltern, nahen Verwandten oder Freunden der Familie des missbrauchten Kindes finden.

Im Zusammenhang mit Missbrauch und seinen Folgen wird als eine Möglichkeit der Heilung angesehen, dass das Opfer seinem Täter verzeiht. Es ist meine Erfahrung aus jahrelanger therapeutischer Arbeit mit dem Thema Missbrauch, dass ein Verzeihen nicht möglich ist, wenn Heilung erfolgen soll. Verzeihen kann aus meiner Sicht nur, wer die Möglichkeit der Vergeltung des ihm widerfahrenen Unrechts hat, auf diese Möglichkeit aber zugunsten des Verzeihens verzichtet. Das jedoch ist einem Kind nicht möglich: es hat, als Unterlegene(r) in einer unsymmetrischen Macht-Beziehung nicht die Wahl der Vergeltung. Verzeiht ein Opfer seinem Missbrauchstäter, dann begibt es sich auf ein und dieselbe Ebene mit dem Täter und verleugnet dadurch das Gefälle, das zwischen dem Täter und ihm besteht. Selbst wenn es inzwischen zum Erwachsenen herangewachsen sein sollte, ist und bleibt es gegenüber dem Täter im Hinblick auf das Missbrauchsgeschehen das Kind.

Systemische Therapie

Unter dem Begriff: „Systemische Therapie“ versteht man eine Vielzahl von Therapiemodellen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie den Patienten/Klienten nicht als losgelöstes Individuum sehen, sondern ihn als Mitglied eines oder mehrerer Systeme ansehen, denen er durch Beziehung zu anderen Mitgliedern angehört. Das Familienstellen ist eine Form der systemischen Therapie, welche den Klienten in seiner Beziehung zu anderen Familienmitgliedern im Familiensystem sieht, unabhängig davon, ob diese noch leben oder bereits verstorben sind. Die Organisationsaufstellung sieht den Betreffenden in seinem beruflichen Kontext. Andere Aufstellungen wie z.B. Krankheiten richten ihr Augenmerk auf das Körpersystem oder z.B. Themenaufstellungen auf das System der Emotionen. Die Aufstellungsarbeit ist eine Sonderform der systemischen Therapie, die als Kurzeittherapie lösungsorientiert arbeitet.

Substanzdefektzeichen

Diese Zeichen bilden in unterschiedlicher Größe verschiedene Formen: entweder erinnern sie an eine Lanze (lanzettförmig), oder sie sind nur ein Punkt (punktförmig), ein Riss (rissförmig), ein Schlitz, oder noch feiner, ein Strich oder gebogen wie ein Haken. In der Regel sind diese Substanzdefekte so klein, manchmal unauffällig, dass die Gefahr besteht, sie zu übersehen. Substanzdefekte sind Hinweis auf das mögliche Entstehen von bösartigen Erkrankungen oder von selbst zerstörenden psychischen Erkrankungen im seelischen Bereich. Sie müssen allerdings nicht notwendigerweise zum Ausbruch kommen, sondern können auch an die nächste Generation mit gesteigerter Gefährlichkeit, weiter gegeben werden.