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Die Angst vor dem Schmerz

Das Gefühl, welches, so wie ich es sehe, dem Versuch oder dem Bemühen zu verzeihen, zugrunde liegt, ist meistens eine verborgene Angst vor dem Schmerz. Meine Sichtweise ist: es handelt sich nicht nur darum, den Schmerz über das schlimme Geschehen noch einmal wieder zu spüren, sondern auch um den Schmerz der Erkenntnis über die Vergeblichkeit des Schmerzes, der das schlimme Geschehen weder ungeschehen noch wieder gut machen kann. Sich diesem Schmerz auszusetzen, macht Angst. Vergeben zu wollen, fällt im Vergleich dazu meist leichter.

Schutzlosigkeit

Ein Kind, welches missbraucht wird, ist ein Kind ohne Schutz. Da Missbrauchsfälle sich überwiegend in Bereichen ereignen, die an sich Schutzfunktion haben: Familie, Schule und selbst die Kirche, handelt es sich in den überwiegenden Fällen von Missbrauch, so wie ich es sehe, um einen doppelten Missbrauch: Es ist nicht nur die Tatsache der sexuellen Schandtat an sich ein Missbrauch des Kindes und Jugendlichen, sondern auch die Tatsache der missbräuchlichen Macht über Schutzbefohlene in Form der Verletzung der Aufsichtspflicht aus perversen Motiven ein Missbrauch an sich.

Um Verzeihung bitten ?

Des weiteren: Verzeihung kann aus meiner Sicht nur da geschehen, wo um Verzeihung gebeten wird. Dies setzt voraus, dass der Täter Verantwortung für sein Vergehen übernimmt, denn nur dann könnte er, bei gleichzeitiger Demut, um Verzeihung bitten. Die Ambivalenz der Täterpersönlichkeit bei Missbrauch ist – so ist meine Sicht - einerseits eine grundsätzliche Unklarheit über die gegenwärtige Wirklichkeit, in der der Missbrauch geschieht, ein wie Benebelt- oder im Rausch-Sein oder Besessen-Sein, so dass das schändliche Tun als solches gar nicht wahrgenommen geschweige denn empfunden wird, und andererseits eine oft vernichtende Selbstverachtung, mit der der Täter sich selber als unbewusste Strafe sozusagen als lebensunwert ansieht.